| Humanismus |
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Humanistisches Gymnasium - humane Schule
Was allerdings bestehen bleibt, ist der Anspruch, der sich mit dem Begriff des humanistischen Gymnasiums immer verbunden hatte: Bildung sei etwas, das über den Tag hinaus Geltung haben müsse, bestehe nicht nur in Fähigkeiten, in Qualifikationen, die die so Gebildeten das Leben meistern lassen, sondern vor allem in einer bestimmten Einstellung gegenüber anderen, dem eigenen Ich und der Geschichte, rücke die Dinge ins rechte Verhältnis zu den Menschen und den Menschen in den Vordergrund. Dieser Anspruch des Humanismus, der durchaus nicht auf die altsprachlichen Gymnasium beschränkt ist, verliert heute im Zeitalter von Input-Output-Kontrolle, Evaluation, Zweckgerichtetheit immer mehr an Boden, und gerade darum ist es wichtig, dass ein altsprachliches Gymnasium sich auf ihn als ursprüngliches geistiges Eigentum besinnt, dass Schülerinnen und Schüler, Eltern, Lehrerinnen und Lehrer ihn offensiv vertreten.
Auch das, was wir unter Humanismus verstehen, hat eine gewisse Veränderung erfahren: Natürlich bedeutet humane Schule - wie seit jeher - moralische Anstalt, Erziehung zur Verantwortung für den anderen, den Mitschüler, Mitmenschen. Als besonders wichtiger neuer Aspekt kommt heur die Verantwortung für die Umwelt und damit ein Denken in die Zukunft dazu. Nicht vergessen dürfen wir, dass Schule auf die griechische scholé zurückgeht; und mir diesem Wort bezeichneten sie damals den Teil der Zeit, der nicht den Tagesgeschäften gilt, der die Möglichkeit bietet, über den Tellerrand hinaus zu sehen, sich mit der Wissenschaft, der Kunst, den Angelegenheiten der ganzen Welt, dem Kosmos zu beschäftigen, kurz: Kosmopolit, Weltbürger zu sein. Kann es etwas wichtigeres geben, als unsere Schülerinnen und Schüler zu Weltbürgern zu machen? |
Das humanistische Gymnasium in seinem ursprünglichen Sinn, das Bildung
allein aus dem Lateinischen und Griechischen bezog, existiert nicht mehr. Auch
die rein altsprachlichen Gymnasien, diejenigen also, die neben dem Lateinischen
das Griechische zur Pflicht machen, sind mittlerweile stolz auf ihre naturwissenschaftliche
Abteilung, auf erste Preise in Wettbewerben etwa im Englischen oder in der Mathematik.
Um so mehr gilt dies für das Wilhelm-Gymnasium, das ja schon seit langem
seinen Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit bietet, zwischen
Französisch und Griechisch zu wählen.